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Welche Farbe hat das Kleidungsstück? Nicht immer ist das für Farbenblinde klar.

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Im stationären Einzelhandel und in Onlineshops stehen Farbsehschwache noch immer vor vielen Problemen, denn unzureichende Bezeichnungen von Farben machen ihnen das Leben schwer. Der Einzelhandel nimmt dabei Umsatzverluste in Kauf, denn ein Teil der potentiellen Kundschaft wird ignoriert.

Etwa jeder 12. Mann oder 200. Frau leiden unter einer Farbsehschwäche oder ist komplett farbenblind. Man geht von weltweit etwa 350 Millionen Betroffenen aus, für Deutschland kann man etwa 3,5 Mio. Betroffene errechnen. Zum Vergleich: in den USA leben etwa 330 Millionen Menschen und in Berlin 3,65 Millionen . Diese Zahlen legen nahe, dass durchaus eine gewisse Kaufkraft nicht fokussiert wird.

Probleme beim Kleidungskauf

Hersteller von Kleidung stellen ihre Produkte in den verschiedensten Farben her. Gern auch in Trendfarben mit Bezeichnungen, unter denen Farbsehschwache sich nichts vorstellen können. Hinzu kommt: Kleidungsstücke sind im stationären Einzelhandel, wie auch bei den Online-Händlern kaum bis gar nicht richtig etikettiert und bezeichnet. Die Produzenten versäumen es im Etikett eine Angabe zur Farbe zu machen.

Dabei würde ein zu spezieller Farbname, womöglich noch ein Kunstwort, für zusätzliche Verwirrung sorgen. Hier helfen eher klare Farbbeschreibungen, wie Rot, Grün oder Braun. Gern auch mit dem Hinweis/Präfix ob hell oder dunkel.

Zusätzlich berichten Betroffene davon, dass sie bestimmte Farben meiden oder auf Nummer sicher gehen und zum Beispiel eher Schwarz oder nur Formen und Muster auswählen. Ein Problem sind auch bestimmte Farben und Farbnuancen. Pink stellt sich zum Beispiel für viele Rot-Grün-Blinde als weiß oder grau dar, Türkis als Weiß.

Es kann zu Situationen kommen, die nicht unbedingt gewollt sind.

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Farbfelder sollen dazu dienen, die Farbvariante eines Produktes auszuwählen, leider fehlt hier eine Beschriftung der Farbe.

Online-Shops verzichten auf Bezeichnungen

Webdesigner:innen denken sich für Online-Shops die schönsten Designs aus, bei denen womöglich störende Elemente nicht angezeigt werden sollen. Oft geht dies zu Lasten der Barrierefreiheit. Ein Label, also ein Beschreibungstext einer Farbvarianten-Auswahl würde eher helfen, als viele kleine farbige Quadrate, bei denen Betroffene raten dürfen, welche Farbe sie nun wirklich darstellen.

Je kleiner eine Farbfläche nämlich dargestellt wird, desto schwieriger wird es für Farbenblinde, die Farbe zu erkennen. Bei problematischen Farben wird es gar unmöglich. 

Wenn man Glück hat, erscheint die Farb-Information, wenn man mit der Maus über die Farbfläche geht. Dies ist aber nicht in allen Fällen der Fall. Richtig zufriedenstellend ist dies aber auch nicht, wenngleich es die Problematik etwas abmildert.

Die Gefahr, potentielle Kunden:innen zu vergraulen, weil womöglich die Bedienung der Website nicht klar ist, bleibt bestehen.

Personal ist die Problematik oft nicht bewusst

Was also tun beim Kleidungskauf? Im Idealfall kauft man nicht allein ein und kann sich auf die Beratung einer Vertrauensperson verlassen. Die Alternative: Das Personal um Hilfe fragen. Hier ist allerdings das Problem, dass Verkäufer:innen dafür oft ungeschult sind. Es ist ihnen nicht bewusst, dass es hohe Anzahl von Farbsehschwachen gibt.

Die Verkäufer:innen kennen nicht den persönlichen Kleidungsstil oder Vorlieben und wissen oft auch nicht, wie sich unsere Erbkrankheit auswirkt. Außerdem kann es auch zu Unverständnis kommen, wenn ein erwachsener Mann oder eine erwachsene Frau fragt, um welche Farbe es sich handelt. Oft folgen dann noch weitere Fragen und Erklärungen, die man sich ersparen möchte. Bestenfalls wird dann "auf gut Glück" gekauft.

Probleme an der Kasse

Supermarktkassen werden heute oft mit roten oder grünen Leuchten als geöffnet oder geschlossen angezeigt. Das ist für uns schwierig, da immer eine Lampe leuchtet und es keine Differenzierung gibt. Betroffene erkennen schlicht nicht, welche Kasse nun geöffnet ist und stellen sich an die Kasse an, welche gerade schließt. Gute Gespräche mit den Kassierer:innen sind vorprogrammiert.

Auch beim Bezahlen steckt der Teufel im Detail. EC-Karten-Terminals haben rote, gelbe und grüne Knöpfe zum Abbrechen, Korrigieren oder Bestätigen. Oft sind sie unbeschriftet oder erscheinen im Gerät in anderen Farbtönen als im Display. Aussagen wie "Bitte drücken Sie jetzt die grüne Taste" helfen nicht, besonders wenn die Beschriftung oder ein Piktogramm auf der Taste fehlt. Gleiches gilt übrigens auch für Geldautomaten.