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lehrerin.jpg Foto: Shutterstock/Monkey Business Images

Für Lehrer:innen ist Verständnis wichtig, um betroffene Schüler:innen zu unterstützen.

Hinweise für Lehrende

Bei durchschnittlich jeden 12. Jungen oder 200. Mädchen tritt eine Farbsehschwäche auf. Rechnerisch dürfte es daher in vielen Klassen betroffene Schüler:innen geben. Gerade als Lehrer:in ist es daher wichtig zu wissen, wie man dem Kind behilflich sein kann.

Farbfehlsichtigkeit fällt oft bereits im Vorschul-Alter auf. Wenn das Kind etwas malt oder Gegenstände in der Umgebung beschreibt, sind die Berührungspunkte mit Farben stark. Viele Eltern bemerken das auch, aber es ist verständlich, dass sie bei der Einschulung nicht die gesamte Lehrerschaft davon informieren wollen.

Farbliche Stifte können Betroffene unterstützen, wirklich Hilfe verspricht aber in der Regel nur die Beschriftung von Stiften.
Foto: unsplash.com/Jeremy Bezanger

Damit ist der Überraschungsmoment in der Schulstunde vorprogrammiert. Sobald 8 Jungen im Klassenraum sitzen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass mindestens einer von ihnen Farben nicht normal wahrnimmt. Wenn Lehrer:innen eine Farbfehlsichtigkeit auffällt, haben sie - abgesehen von völliger Ignoranz - zwei Optionen:

Korrektur und der Hinweis, dass diese Farbe anders heißt. Bestenfalls prägt sich das Kind nun ein, dass der Baumstamm braun ist, und nicht schwarz. Das gleiche Problem wird nun in den nächsten Wochen in anderen Zusammenhängen wieder auftreten. Wieder wird das Kind vor der ganzen Klasse korrigiert, hoffentlich lachen die Mitschüler nicht. Die Interaktionen nehmen zu, und alle merken: Mit dem Kind stimmt was nicht. Die Freude besonders an Fächern wie Kunst, Geographie oder Physik nimmt ab.

Es kommt zu Erklärungsnöten, die vor allem das heranwachsende Kind am wenigsten zu bewältigen weiß. Es zweifelt an sich: Mit Farben komme ich nicht klar, in Mathe bin ich schusslig und im Sport sind andere schneller ... Jegliche Stigmatisierung kann zu Ausgrenzung und Selbstzweifeln führen. Dabei brauchen starke Kinder Mut und Selbstbewusstsein.

Abgefragt vor der Klasse

Lesen Sie im Erfahrungsbericht, wie es möglichst nicht sein sollte.

Empathie für die Kinder bei Lehrer:innen wichtig

Die bessere Option ist, das Kind nicht vorzuführen. Ein empathischer Satz löst die Situation auf: "Das ist in Ordnung, so geht es vielen hier in der Schule", "Ich hatte mal einen Schüler, dem geht es genau so wie Dir. Der ist jetzt Chef von 200 Leuten." Bestenfalls werden so auch weitere Betroffene in der Klasse hellhörig.

Ideal wäre dann ein Gespräch mit dem Kind und den Eltern. Nicht jeder Lehrer oder Lehrerin muss dafür bereit und in der Lage sein. Ein geschulter Ansprechpartner pro Schule ist völlig ausreichend. Was gleichwohl alle Lehrer:innen wissen sollten:

  • Es gibt keine Möglichkeit der Heilung oder gar der Vermittlung des Farbsehens als Lerninhalt. Man kann nur empathisch damit umgehen.

  • Extrahieren Sie bitte das Kind nicht vor Mitschülern! Fragen Sie Betroffene nicht aus.

  • Die Farbfehlsichtigkeit wird den jungen Menschen bis an sein Lebensende begleiten.

  • Man kann im Beruf fast alles werden, denn das Bewusstsein für Farbfehlsichtige und die Schaffung inklusiver Umgebungen nehmen stetig zu. Das Kind kann Super-Star, erfolgreicher Unternehmer oder Profi-Sportler werden. Und natürlich auch Feuerwehrmann, aber derzeit leider nicht Pilot oder Geologe.

Unsicherheiten von Lehrer:innen übertragen sich schnell auf Betroffene. Diese Webseite und die Kooperationspartner des IFFarb informieren umfangreich über unsere Erbkrankheit und den Umgang damit.

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